Tuesday, August 9, 2011

3. Bluegrass Festival in Greven - Die Erbschaft


Anno 2003 waren mein Mann und ich auf dem 38. Bluegrass Festival in Neusüdende bei Oldenburg, hoch oben im Norden von Deutschland. Wir waren damals schwer begeistert von dieser Veranstaltung und wären gerne wieder einmal hingefahren, aber ohweh ............ 3 Jahre später kam das große AUS. Und das nach 41 erfolgreichen und beliebten Jahren, ein Festival das sogar Topstars wie Bill Monroe und die Osborne Brothers angelockt hatte. Doch wir standen nicht alleine mit der Trauer. Eine Handvoll Bluegrassfans gründete 2008 den Verein „Grevengrass e. V.“ und übernahm das Erbe von Neusüdende um einmal jährlich zu Pfingsten ein Bluegrass Festival in Greven zu organisieren. Man stieß bei der Stadtverwaltung von Greven auf offene Ohren und damit nahm die neue Geschichte ihren Lauf.

Vom 11.-12. Juni 2011 fand also bereits das 3. Bluegrass Festival in Greven an der Ems statt. Franz war bereits mit dem Wohnmobil dort in der Nähe, also stieg ich wieder mal in Wien auf die Schiene und wir trafen einander nach 12stündiger Eisenbahnfahrt und 2x-igem Umsteigen in Münster. Abgesehen von einem streitenden Ehepaar, lauten Handys und noch lauteren Kopfhörern verlief die Fahrt – diesmal leider in der 2. Klasse – gleichförmig und ermüdend, weshalb wir am nächsten Tag noch einen Ruhetag am Dortmund-Ems-Kanal einschoben. Laut Homepage www.grevengrass.de konnte man erst Freitag ab 16 h im Camp einchecken, doch als wir ankamen war schon der halbe Platz belegt. Hätten wir das geahnt wären wir doch schon am Vortag gekommen. Wir wurden sehr herzlich empfangen und hatten Glück, noch ein schönes Plätzchen zu ergattern. Das Festival selbst ist Eintrittsfrei, doch für den Stellplatz ist eine Gebühr zu zahlen, denn nur damit und durch Sponsoren wird diese Veranstaltung finanziert. Schwer genug; dafür braucht es wirklich sehr viel Idealismus.

Wir sind wieder mal die einzigen Österreicher, treffen aber auch hier Bekannte, zuerst mal „Texas“ von den >Countryfreunden Kötz< und etwas später kommt LILLY OF THE WEST mit ihrer Band aus Bulgarien an und ist sehr überrascht uns hier zu finden. Wir kennen einander ja schon viele Jahre und Ende September wird sie u. a. auch in Wien aufspielen.

Das Wetter spielt an allen Tagen verrückt – Regen – Sonne – Regen – Sonne usw. in bunter Abfolge. Aber ungeachtet dessen wird rundum musiziert. Schon auf dem Camp an jeder Ecke, vor jedem Zelt oder Wohnmobil, überall treffen Hobby-Musiker auf Profi-Musiker und jammen nach Herzenslust, jeder mit jedem, auch noch in der Nacht am Lagerfeuer. Dennoch ist es friedlich und ruhig.

Die Freilichtbühne steht direkt neben der Ems, umgeben von Wiesen und Sandstrand, Sitzgelegenheiten bringt man meist selber mit oder sitzt einfach auf dem Boden – auch unter Regenschirmen!

Pünktlich am Samstag um 15 h eröffnet der Moderator Ronnie Snippe (aus den Niederlanden) das Festival und danach wechselt jede Stunde das Programm. Da es sich am Sonntag in einer etwas anderen Reihenfolge wiederholt ist man also sehr flexibel, man versäumt wirklich keine Band.

So, nun mal zu den teilnehmenden Gruppen:
  1. LOOPING BROTHERS, www.groundspeed-looping.com, die Hausband aus Deutschland, ein Trio das souverän mit Kontrabaß, Fiddle, Banjo, Gitarre, Mandoline schöne alte Mountainsongs und eigene Lieder vortrug. Das richtige zum Einstimmen.
  2. DOWNHILL BLUEGRASS BAND aus Schweden, feat. Ivor Ottley (GB). www.downhill.nu. 6 MusikerInnen on Stage mit Banjo, Kontrabaß, Gitarre, Dobro, Fiddle – traditioneller und moderner Bluegrass gemischt (z. B. Born with a hammer in my hand).
  3. ROCKS & IVY (Belgien) – www.rocksandivy.com , 5 Musiker mit Gitarre, Banjo, Fiddle, Mandoline, Kontrabaß, konnten wir zuvor schon auf der Wiese backstage hören und dann mit flottem Bluegrass auf der Bühne (Little Maggie).
  4. SACRED SOUNDS OF GRASS – 4 traditionelle Bluegrass- und Gospelmusiker aus Deutschland die schon seit 1979 miteinander musizieren. Authentisch in Musik und Bühnenshow verwendeten sie als einzige Band ein Kondensatormikrofon das sie abwechselnd bespielten oder besangen. Infos auf http://www.sound-pool.net/details.asp?id=1100.
  5. LILLY OF THE WEST - Quartett aus Bulgarien, hatte es endlich auch hierher geschafft. Sie brachten mit Dobro, Kontrabaß, Mandoline, Fiddle, Gitarre ein gemischtes Programm mit Swing, Blues, Rockabilly, Bluegrass, Jodler und als Zugabe bulgarische Folklore. Bei einigen Liedern hatten sie eine Gastsängerin dabei. Lilly of the West plant gerade ihre Tournee für Ende September und wird in Budapest, Bratislava und natürlich auch in Wien aufspielen. Termine stehen auf ihrer Homepage www.lillydrumeva.net.
  6. Und gerade jetzt in der Umbaupause begann es stärker zu regnen, doch niemand räumte das Feld, denn mit zunehmendem Abend stieg die Musikqualität.
DAVIDSON BROTHERS – die Award-Abräumer in ihrer Heimat im letzten Jahr waren von Australien eingeflogen. Zu viert mit Gitarre, Mandoline, Banjo, Fiddle, Kontrabaß eroberten sie die Bühne mit traditionellem und extrem temperamentvollem Bluegrass, Swing und zu meiner großen Freude auch keltischen Stücken. Mehr zur Band auf der Homepage: www.davidsonbrothersband.com.
  1. Und als letzte Gruppe OH MY DARLING – 4 Mädchen aus Canada ..... und
Menschentrauben hängen vor der Bühne! Ebenfalls traditionell bestückt mit
Kontrabaß, Gitarre, Fiddle und Banjo zelebrieren sie eine tolle Mischung aus
Bluegrass, Old Time Musik und Balladen, sehr emotionell. www.ohmydarling.ca.
Für sie hatte das Festival leider einen Wermutstropfen bereit, ihr Auto wurde in der
Nacht aufgebrochen und ausgeraubt. Durch eine spontane Spendenaufrufaktion des
Veranstalters konnte der Verlust am nächsten Tag ein wenig gemildert werden, denn
über 1.000 Euro wurden binnen kürzester Zeit eingesammelt. Eine tolle Solidarität!

Und am Sonntag die gleichen Bands noch einmal und wie es sich gehört, mit einer Super-Schlußsession an der wirklich ALLE Musiker teilnahmen. Das ist deshalb erwähnenswert, weil meistens nur mehr ein Bruchteil der teilnehmenden Künstler am Ende der Feste anwesend ist. Allen stand die Spielfreude, der Spaß am Musizieren im Gesicht. Und nachdem der Veranstalter Ulli Sokoll versichert hatte, dass es 2012 wieder ein Fest geben wird sang alles, groß und klein >Nehmt Abschied Brüder<, vielen sicher bekannt unter dem englischen Titel >Auld Lang Syne<, es war wie ein Friedensfest das bis in den Morgen noch am Lagerfeuer im Camp fortgesetzt wurde. Sprachbarrieren gibt es da keine, trotz der wirklich internationalen Mischung der Musiker und auch Gäste.

2 Tage voll sehr guter Musik, super Technik, freundlichen Menschen, ausgesucht guter Verpflegung aus der Campküche, die nicht nur den sonst üblichen Einheitsbrei wie Chilli und Bratwurst anbot sondern auch Lachs, Pangasius, Spanferkel, vegetarische Gericht und anderes mehr. Kurz, ein sehr angenehmes Ambiente auf einem sauberen Platz, nicht nur ein musikalisches sondern auch kulinarisches Festival das uns sicher wieder sehen wird.

Text/Fotos: Eliza (ACMF-Ambassadorin für Wien, Bluegrass Bühne Österreich) und Franz

















































Posted in:

1 Kommentare:

Anonymous said...

Danke für die Komplimente. Wir geben uns auch im nächsten Jahr wieder Mühe.

Klaus und das Küchenteam

Post a Comment

Translate News, Interviews and CD Reviews

Google+ Badge

Google+ Followers

Magazine Archive

Powered by Blogger.